Gelungener Abend in kultureller Vielfalt

Von Roland Stöß 28.12.2017 – 04:30 Uhr

 

Das „Brass-Esemble“ vor den gut besuchten Rängen der HHG-Forums. Foto: Stöß 

„Heute Abend wird es bei uns wuselig zugehen“, so Urs Johnen bei der Begrüßung. Der Abend hielt dann nicht nur das, was für das „Jazz am Schießberg – Weihnachtsspecial“ versprochen worden war. Er zeigte auch, dass Calw reich ist.

Und das nicht unbedingt im finanziellen Sinn, sondern kulturell: Hier wird Demokratie gelebt. Dadurch wagen sich andere nach und nach aus der Deckung und öffnen sich Neuem, Unbekanntem, Fremdem. Dazu trägt der Mitte des Jahres gegründete Verein StadtLandKultur bei, in dem er die Förderung von Kunst und Kulturim Landkreis Calw voran treibt. Dabei ist Toleranz, Völkerverständigung, friedliches, gesellschaftliches und kulturelles Miteinander sowie Integration von Menschen das Leitbild. Schon nach einem halben Jahr des Bestehens gibt es Hinweise, dass dieses zarte Pflänzchen des bürgerlichen Engagements gedeiht.

Gut besucht

Man versprach nun einen feierlichen, weihnachtlichen Festabend mit Musik und Bewirtung zum Abschluss des vom Sozialministerium geförderten Jahresprojekts „Mitmachen statt nur Zugucken“. Zu zwei Dritteln waren die Ränge des Forums im Hermann Hesse-Gymnasium (HHG), bekanntermaßen Schauplatz der erfolgreichen Konzertreihe „Jazz am Schießberg“, besetzt. Johnen freute sich „dass heute so viele Menschen zu uns gekommen sind, weil ja auch sonst in der Vorweihnachtszeit immer viel los ist“.

Gitarrengruppe läuft nicht

Ein bisschen Wasser in den Wein der Begeisterung goss Karin Kriese. Sie berichtete über die Bemühungen, eine nachhaltig bestehende Gitarrengruppe für Flüchtlinge und junge Menschen, die sonst keinen Zugang zu bezahltem Musikunterricht haben, zu installieren. Waren es zu Beginn 40 Interessenten, kann man heute konstatieren: Das Angebot, unterstützt durch die Werkrealschule, wird nicht angenommen. Der im Unterricht verbliebene harte Kern begleitete sich selbst zum gesungenen Kanon vom „Bruder Jakob“. Krieses Mann Fausto Ruque leitete und begleitete das kleine Ensemble, zu welchem Thomas Aman mit seinem Cajon, Karin Kriese an der Violine und Urs Johnen am Kontrabass hinzustießen. „Sag mir wo die Blumen stehen“ lud zum Mitsingen ein. International blieb es beim weihnachtlichen Wunsch „Feliz Navidad“.

Das „Brass-Ensemble“, ebenfalls geleitet von Fausto Ruque diesmal am Waldhorn, animierte das Publikum erfolgreich, bei den bekannten festlichen Weihnachtsliedern mitzusingen. Tristan Roberts an der Posaune, Peter Bauer an der Tuba und Andreas Fezer an der Trompete zeigten, wie schön diese Art von Blasmusik sein kann.

Breakdancer begeistern

Einen ebenso kleinen wie wertvollen Redebeitrag lieferte der Initiator des Netzwerks für Wertevielfalt im Nordschwarzwald, Hubertus Welt. Er wünsche sich, „mit diesen wunderbaren Verein in Calw zusammen zu arbeiten“, so Welt. Denn die Ziele deckten sich: Menschen zueinander zu bringen sowie demokratische Werte hoch zu halten.

Die Breakdancer des Calwer Jugendhauses entlockten dann dem Moderator Johnen ein „Wahnsinn“. Die meisten der Zuschauer folgten dieser auf den Punkt gebrachten Beschreibung gerne. Sie reagierten erstaunt und begeistert auf das, was die Jungs und Mädels unter der Obhut des Jugend- und Heimerziehers und Jugendhausmitarbeiters Yasin Akyüz, boten. Das war akrobatischer Tanz auf hohem Niveau. Vorurteile, sollte es die gegeben haben, lösten sich ins Nichts auf. Gerade hier zeigte sich, was Vielfalt bedeuten kann. Die frenetisch geforderte Zugabe wurde von den Gästen gerne gegeben.

Der Perkussionist Yayantha Gomes und sein Clan dockten stimmungsmäßig an. Auffallend war die Freude in den Gesichtern der Gomes-Trommler. Sehr gut wurde das hochwertige Saxofonspiel des Maurizio Brighina vom Publikum aufgenommen.

Weihnachtlicher Tango

Das Ende krönte dann das vorher Dargebotene. Die bereits erwähnte Improvisationsband Ruque, Kriese, Aman und Johnen bekam nochmals Verstärkung. Achim Olbrich mit seiner Posaune brachte den gängigen südamerikanischen Ton zu den Weihnachtsweisen aus Ecuador und Venezuela ein.

Diese Lieder, auch mal als Tango gespielt, gaben dem nahenden Christfest einen ganz anderen, zu hörenden Anstrich. „Mit meinem Esel in die Savanne (con mi burrito sabanero)“ beendete den Event. Aber nur fast, denn mit Frieder Pfeiffers Hilfe stimmten zum Ende alle gemeinsam, Musiker und Publikum, „Stille Nacht“ an.

Benefizkonzert

Am Mittwoch erlebte „Jazz am Schiessberg“ mit einem Benefizkonzert seinen Jahreshöhepunkt. Ein Großaufgebot aus der Calwer Musikszene von Rang und Namen war dabei: Kai Podack, Frieder Pfeiffer, Vitek Spacek, Stefan Schneider, Achim Olbrich, Fausto Ruque, Thomas Bauer, Urs Johnen, Thomas Aman musizierten zugunsten von sozialen und soziokulturellen Projekten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.