Im ganzen Land zu Hause, in Calw aufgetreten

Frieder Pfeiffer und Kai Podack boten gemeinsam „The lady is a tramp“ dar. Foto: Stöß

„Calw Large Ensemble“ – diese Ankündigung wirkte wie eine Werbebotschaft. Die Veranstaltung im Forum des Hermann Hesse-Gymnasiums in Calw hielt jedoch Wort.

Das Benefizkonzert mit Calwer Großaufgebot war groß. Sogar extra groß. Riesig. Zehn Künstler boten Musik vom Feinsten zugunsten von lokalen Musikprojekten sozial benachteiligter und geflüchteter Kinder und Jugendlicher.

Alleine die Namen der musizierenden Protagonisten waren für Kenner der Szene Zungenschnalzer. Der veranstaltende Verein „StadtLandKultur“ bot damit einen kulturellen Höhepunkt zwischen Weihnachten und Neujahr.

Urs Johnen, Vorsitzender und gleichzeitig Musiker am Kontrabass, zeigte sich demütig und dankbar angesichts des Terminstaus vieler Menschen um die Weihnachtszeit herum. Dennoch bot ein gut besuchtes Forum den würdigen Rahmen für dieses hochwertige Musikereignis.

Diese Musiker, inzwischen in ganz Deutschland zu Hause, zieht es immer wieder in den Heimatort zurück. Man kennt und vertraut sich. Das merkt man bei jeder Interpretation, bei jedem Takt.

Was geboten wurde, war stilistisch vielseitig. Egal ob Swing, Jazz, Pop gespielt wurde, es wirkte alles harmonisch. Hochwertig ist es allemal, dieses Zehn-Mann-Band-Projekt mit manchem Profi.

So Kai Podack. Der frühere Aurelianer mit eigener Bigband ist mittlerweile im ganzen Land bekannt. Swing ist sein Ding. Mit dem seinem Stück „Männersport“ sowie dem einfühlsamen „Foolish heart“, gepusht durch diese einzigartige Bühnenpräsenz, hatte Podack im Nu die Zuhörer auf seiner Seite.

Dann das Calwer Multi-Talent Frieder Pfeiffer (studierter Sänger, Sport-Reporter, Schauspieler bei Mania-Pictures). Er und Podack boten gemeinsam „The lady is a tramp“, als ob der 80 Jahre alte Song der ihre wäre. Gelernt ist eben gelernt. Am Ende waren sie auch mit Lionel Richies „Easy“ für einen Höhepunkt zuständig. Dieser Hit war geradezu perfekt für den Ausklang eines wunderbaren Abends geeignet.

Der Drummer Thomas Aman ist in der regionalen Musikszene kein Unbekannter mehr. Der Musikpädagoge von der Musikschule Renningen gab in diesem Jahr bei verschiedenen Acts als Schlagzeuger und Percussionist den Takt an. Die Bläser Fausto Ruque, Achim Olbrich und Stefan Schneider zeigten, egal ob es Jazz, Ballade oder Swing war, ihre Instrumente passten wie aus einem Guss. Vollkommen das „Besame mucho“ als Bossa nova mit starken Trompeten.

Jeder der Instrumentalisten erhielt für die jeweiligen Soli wiederkehrend Sonderbeifall. So auch Vitek Spacek. Dieser setzte mehrfach seine Gitarrenläufe perfekt in die Arrangements.

Apropos Arrangements: Da waren noch die beiden Pianisten Thomas Bauer und Alexander Wienand. Beide ausgezeichnete Könner des Tastenlaufs. Wienand, inzwischen mehrfach geehrter Preisträger in der deutschlandweiten Kunstszenerie, ist auf vielen deutschen Bühnen zu Hause. Umso erfreulicher: Wienand ist immer wieder gern gesehener und gehörter Gast bei Jazz am Schießberg.

Eigene Kompositionen

Auch diesmal überraschte er mit eigenen Kompositionen und seiner ihm eigenen Virtuosität am Piano. Wienand taucht voll und ganz in die Klänge seines Instrumentes ab. Das Publikum, einmal gefesselt, ist schnell bereit, mit ihm zu gehen. Gemeinsam mit Frieder Pfeiffer – zuvor sang dieser wundervoll „Another day“ – unterstützte die Band Wienand zu dessen eigener Komposition „Early breath“. Der Text wiederum stammte aus der Feder Frieder Pfeiffers.

Beim Wienand-Arrangement „Angel Eyes“ bildeten sich Podack und Pfeiffer erneut zum stimmlichen Duett. Fausto Ruque, der Musiklehrer aus Ecuador, sang ein Venezolanisches Volkslied. Übrigens: Unter seiner Leitung wird eine Bläsergruppe gegründet.

Mit den Spenden sollen Instrumente angeschafft werden, um es Kindern zu ermöglichen, einen leichteren Zugang zu Bildung und Kultur zu erhalten.

Gelungener Abend in kultureller Vielfalt

Von Roland Stöß 28.12.2017 – 04:30 Uhr

 

Das „Brass-Esemble“ vor den gut besuchten Rängen der HHG-Forums. Foto: Stöß 

„Heute Abend wird es bei uns wuselig zugehen“, so Urs Johnen bei der Begrüßung. Der Abend hielt dann nicht nur das, was für das „Jazz am Schießberg – Weihnachtsspecial“ versprochen worden war. Er zeigte auch, dass Calw reich ist.

Und das nicht unbedingt im finanziellen Sinn, sondern kulturell: Hier wird Demokratie gelebt. Dadurch wagen sich andere nach und nach aus der Deckung und öffnen sich Neuem, Unbekanntem, Fremdem. Dazu trägt der Mitte des Jahres gegründete Verein StadtLandKultur bei, in dem er die Förderung von Kunst und Kulturim Landkreis Calw voran treibt. Dabei ist Toleranz, Völkerverständigung, friedliches, gesellschaftliches und kulturelles Miteinander sowie Integration von Menschen das Leitbild. Schon nach einem halben Jahr des Bestehens gibt es Hinweise, dass dieses zarte Pflänzchen des bürgerlichen Engagements gedeiht.

Gut besucht

Man versprach nun einen feierlichen, weihnachtlichen Festabend mit Musik und Bewirtung zum Abschluss des vom Sozialministerium geförderten Jahresprojekts „Mitmachen statt nur Zugucken“. Zu zwei Dritteln waren die Ränge des Forums im Hermann Hesse-Gymnasium (HHG), bekanntermaßen Schauplatz der erfolgreichen Konzertreihe „Jazz am Schießberg“, besetzt. Johnen freute sich „dass heute so viele Menschen zu uns gekommen sind, weil ja auch sonst in der Vorweihnachtszeit immer viel los ist“.

Gitarrengruppe läuft nicht

Ein bisschen Wasser in den Wein der Begeisterung goss Karin Kriese. Sie berichtete über die Bemühungen, eine nachhaltig bestehende Gitarrengruppe für Flüchtlinge und junge Menschen, die sonst keinen Zugang zu bezahltem Musikunterricht haben, zu installieren. Waren es zu Beginn 40 Interessenten, kann man heute konstatieren: Das Angebot, unterstützt durch die Werkrealschule, wird nicht angenommen. Der im Unterricht verbliebene harte Kern begleitete sich selbst zum gesungenen Kanon vom „Bruder Jakob“. Krieses Mann Fausto Ruque leitete und begleitete das kleine Ensemble, zu welchem Thomas Aman mit seinem Cajon, Karin Kriese an der Violine und Urs Johnen am Kontrabass hinzustießen. „Sag mir wo die Blumen stehen“ lud zum Mitsingen ein. International blieb es beim weihnachtlichen Wunsch „Feliz Navidad“.

Das „Brass-Ensemble“, ebenfalls geleitet von Fausto Ruque diesmal am Waldhorn, animierte das Publikum erfolgreich, bei den bekannten festlichen Weihnachtsliedern mitzusingen. Tristan Roberts an der Posaune, Peter Bauer an der Tuba und Andreas Fezer an der Trompete zeigten, wie schön diese Art von Blasmusik sein kann.

Breakdancer begeistern

Einen ebenso kleinen wie wertvollen Redebeitrag lieferte der Initiator des Netzwerks für Wertevielfalt im Nordschwarzwald, Hubertus Welt. Er wünsche sich, „mit diesen wunderbaren Verein in Calw zusammen zu arbeiten“, so Welt. Denn die Ziele deckten sich: Menschen zueinander zu bringen sowie demokratische Werte hoch zu halten.

Die Breakdancer des Calwer Jugendhauses entlockten dann dem Moderator Johnen ein „Wahnsinn“. Die meisten der Zuschauer folgten dieser auf den Punkt gebrachten Beschreibung gerne. Sie reagierten erstaunt und begeistert auf das, was die Jungs und Mädels unter der Obhut des Jugend- und Heimerziehers und Jugendhausmitarbeiters Yasin Akyüz, boten. Das war akrobatischer Tanz auf hohem Niveau. Vorurteile, sollte es die gegeben haben, lösten sich ins Nichts auf. Gerade hier zeigte sich, was Vielfalt bedeuten kann. Die frenetisch geforderte Zugabe wurde von den Gästen gerne gegeben.

Der Perkussionist Yayantha Gomes und sein Clan dockten stimmungsmäßig an. Auffallend war die Freude in den Gesichtern der Gomes-Trommler. Sehr gut wurde das hochwertige Saxofonspiel des Maurizio Brighina vom Publikum aufgenommen.

Weihnachtlicher Tango

Das Ende krönte dann das vorher Dargebotene. Die bereits erwähnte Improvisationsband Ruque, Kriese, Aman und Johnen bekam nochmals Verstärkung. Achim Olbrich mit seiner Posaune brachte den gängigen südamerikanischen Ton zu den Weihnachtsweisen aus Ecuador und Venezuela ein.

Diese Lieder, auch mal als Tango gespielt, gaben dem nahenden Christfest einen ganz anderen, zu hörenden Anstrich. „Mit meinem Esel in die Savanne (con mi burrito sabanero)“ beendete den Event. Aber nur fast, denn mit Frieder Pfeiffers Hilfe stimmten zum Ende alle gemeinsam, Musiker und Publikum, „Stille Nacht“ an.

Benefizkonzert

Am Mittwoch erlebte „Jazz am Schiessberg“ mit einem Benefizkonzert seinen Jahreshöhepunkt. Ein Großaufgebot aus der Calwer Musikszene von Rang und Namen war dabei: Kai Podack, Frieder Pfeiffer, Vitek Spacek, Stefan Schneider, Achim Olbrich, Fausto Ruque, Thomas Bauer, Urs Johnen, Thomas Aman musizierten zugunsten von sozialen und soziokulturellen Projekten.

Benefizkonzert mit dem Calw Large Ensemble am 27.12., 19 Uhr

Weihnachtsspecial  bei Jazz am Schießberg

Benefizkonzert mit Calwer Großaufgebot: Kai Podack, Frieder Pfeiffer, Achim Olbrich, Stefan Schneider, Fausto Ruque, Vitek Spacek, Thomas Bauer, Urs Johnen und Thomas Aman musizieren zugunsten von Musikprojekten mit geflüchteten und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

Beginn 19 Uhr
Eintritt frei

 

Festabend mit Open Stage am 22.12.2017!

Für noch mehr kulturelles Miteinander im Kreis Calw:

Weihnachtlicher Festabend mit Musik und Bewirtung zum Abschluss des vom Sozialministerium geförderten Jahresprojekts „Mitmachen statt nur Zugucken“.

Unter anderem mit den Gitarrengruppen mit Geflüchteten, dem Calw Brass Ensemble, Breakdance und Improtheater sowie Jamsession zum Mitmachen.

Open Stage: Programmbeiträge willkommen! Vorschläge an info@stadtlandkultur.de.

Lasst uns froh und munter sein!

Traumahelfer unterstützen bei Selbsthilfe

Von Roland Stöß 06.12.2017 – 18:35 Uhr

Am 27. und 28. Januar ist in Calw ein Seminar für ehrenamtliche Helfer geplant. Für Initiator Rolf Johnen ist es eine „Erste Hilfe für die Seele – Traumahelfer unterstützen Flüchtlingskinder bei ihrer Selbsthilfe“.

Zahlreiche Interessenten besuchten die Informationsveranstaltung und betrachteten den Spiegelbaum im Foyer der VHS. Foto: Stöß 

Vorab betrachtete das Publikum einen Spiegelbaum im Foyer der VHS. Der Calwer Künstler Lothar Hudy und vier syrische Flüchtlinge schufen dieses Kunstwerk, bestehend aus 85 kleinen Spiegeln. Eine Zahl, die an die Lebensjahre Hermann Hesses angelehnt ist. Rolf Johnen erkannte in dem Friedensspiegelbaum einen Weg, „um das kulturelle Miteinander unter den hier Beheimateten und mit den Zugereisten zu fördern“. Der Spiegel diene als zweideutiges Symbol. Einerseits als Zeichen eigener Eitelkeiten und Wollust, andererseits eigener Selbsterkenntnis, Klugheit und Wahrheit. „Jemanden den Spiegel vorhalten oder das Spiegelbild der Seele – beides Redewendungen, die wir alle kennen“, so Johnen.

So war die Spiegelung, die Menschen sich gegenseitig bieten, Bestandteil des Vortrages des Professors der Regensburger Universitätskliniken, Thomas Loew. Beeindruckend war ein Beispiel eines vier Monate alten Fötus im Mutterleib. Dieser zeigte deutliche Reaktionen auf eine gespielte, lautstarke Stressszene im Umfeld der Mutter. Es sollte die erste Traumatisierung eines kleinen Menschenlebens darstellen.

200 Flüchtlingskinder

Ungleich schwerer vorstellbar, mit welchen Gedanken und Träumen ein kleines Kind nach selbst erlebtem oder gesehenen Gewaltverbrechen im Zuge eines Krieges zeitlebens konfrontiert ist, würde ihm nicht geholfen. Doch wer kann das leisten?

Loews Projekt macht inzwischen Schule. Das Thema „Traumatisierung und die Folgen für die Gesellschaft“ ist angekommen. Es wurde allzu deutlich: Die Gesellschaft, muss sich um Traumatisierte kümmern. Denn die Folgen unbehandelter Traumata werden ungleich größer sein. Tatsache sind deutschlandweit 600 000 Flüchtlingskinder. Ein Drittel davon benötigen Hilfe.

Auf Calw übertragen spricht man derzeit von 2000 Flüchtlingen. 600 davon sind Kinder. Ein Drittel davon wären schon 200, so Johnen.

Setzt man die Zahl der professionellen Kinder- und Jugendtherapeuten sowie deren zeitlichen Möglichkeiten dagegen, kann jeder ausrechnen, dass ein Problem besteht. Loew wie Johnen haben erkannt, dass auf Deutschland eine gewaltige Aufgabe zukommt, die mit den derzeitig vorhandenen Kapazitäten nicht gelöst werden kann. „Unser Versorgungssystem ist überfordert“, macht Johnen deutlich. Wenn diese Aufgaben nicht gelöst würden, seien drastische finanzielle und gesellschaftlich Folgen zu befürchten.

Unter der Überschrift „Kriegsschauplatz Gehirn“ beantwortete Loew die Frage „Wie funktioniert der Mensch?“. Er zeigte, wie das kleine Baby die Mutter spiegelt. Das Kind lernt. Gerade bei traumatischen Erlebnissen lerne das Kind und speichere das Erlebte.

Doch wie bewältigt man ein Trauma? Hier biete das Programm Loews Lösungsansätze. Eben dieses Programm, das nun auch in Calw anläuft.

Da die Therapeutenzahl, wie oben geschildert, nicht ausreicht, werden ehrenamtliche Helfer die Kinder betreuen. Alles unter der Obhut eines verantwortlichen Therapeuten. Loew nahm den Anwesenden Ängste.

Seminar vorab

Es wird ein Zwei-Tages-Seminar angeboten, welches Loew leitet. Bei großem Andrang hilft seine Kollegin.

Das Besondere: Das Konzept ist speziell für Laien ausgelegt. Jeder kann mitmachen und sieht sich in die Lage versetzt, traumatisierten Kindern und Jugendlichen hilfreich zur Seite zu stehen. Es sind keine Dolmetscher notwendig. Jeder kann das, sagt Loew. Kinder spielen ihr Leben. „Sie als Helfer sind einfach da und das ist wichtig. Sie wirken schon dadurch, dass Sie dem Kind Aufmerksamkeit widmen, dass Sie zur Verfügung stehen und Beziehung, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit anbieten. Wenn Sie entspannt und gelassen sind, wird das Kind ebenso entspannt und gelassen sein. Es erlebt durch Sie etwas, was es ohne Sie nie erlebt hätte. Diese Verlässlichkeit ist gegeben, denn Sie werden mal ausschließlich nur für das eine Kind Partner sein. Verlässlichkeit auch deswegen, dass die Stunden immer zur gleichen Zeit stattfinden.“

Beim Organisator auf Calwer Ebene, Rolf Johnen, laufen nun alle Fäden zusammen. Bei ihm können Interessierte Informationen und Rat einholen. Auch kann man sich für das Zwei-Tages-Seminar im Januar noch bis kurz vor Weihnachten anmelden (rolf.johnen@gmail.com oder Telefon 0 70 51/70 03 19).

Friedensspiegelbaum wird auf Markt präsentiert

Von Schwarzwälder-Bote 01.12.2017 – 18:05 Uhr

Es raucht, kreischt und blitzt im Gässchen zwischen Lederstraße und Stadtmauer in Calw. Doch kaum öffnet man die Tür zu Lothar Hudys Werkstatt, merkt man sofort: Hier wird vor allem gelacht.

Bestens gelaunt arbeiten einige junge Männer in Schutzkleidung unter Anleitung des auf Skulpturen aus Altmetall spezialisierten Calwer Künstlers an einem „Friedensspiegelbaum“, der am Samstag, 2. Dezember, ab 16 Uhr auf dem Calwer Weihnachtsmarkt, Bühne Oberer Marktplatz, vorgestellt werden soll.

Foto: Gemeinsam mit Flüchtlingen gestaltet Lothar Hudy eine Baumskulptur aus Metall. 

Ganz hinten in der Ecke, zwischen Unmengen an Kabeln, Metallteilen und Werkzeugen, zeigt ein Drahtmodell, wie dieser Friedensspiegelbaum einmal aussehen wird. Das mit Spiegelelementen behangene Metallgestänge wird vom Landkreis Calw mitfinanziert und soll in den nächsten Wochen zu verschiedenen Anlässen präsentiert werden.

„Der Friedensspiegelbaum steht für die Idee eines groß angelegten soziokulturellen Theatervorhabens unseres Vereins, das den Arbeitstitel ›Wir im Spiegel der anderen‹ trägt und im Februar 2018 starten soll“, erklärt Rolf Johnen, stellvertretender Vorsitzender des Vereins StadtLandKultur.

Im Moment stehen Ahmed, Said, Omar und Murhaf jedoch erst einmal vor der Herausforderung, die unhandlichen Einzelteile des aus Baustahl gefertigten Grundgerüsts durch die schmale Tür nach draußen zu bringen, ohne die Bausubstanz des vermutlich denkmalgeschützten Fachwerkhäuschens zu beschädigen. Alle deutsche Skepsis ist rasch entkräftet: In selbstverständlicher Teamarbeit – und fast ohne anzuecken – bugsieren die drei aus Syrien geflüchteten Männer das Metallgeäst hinaus.

Bevor nun weitergearbeitet wird, spendiert Lothar Hudy allen Anwesenden erst mal einen Tee. „Wenn ich eins bei der Arbeit mit meinen Jungs aus Afghanistan und Syrien gelernt habe, dann das: Erst mal wird Tee getrunken und gequatscht“, erzählt Hudy, der ebenfalls im Vorstand von StadtLandKultur aktiv ist. „Danach wird gemeinsam angepackt und gearbeitet.“ Kaum zu übersehen, dass diese Arbeit „seinen Jungs“ Spaß macht. „Lothar haben wir vor ein paar Wochen im Kaffeehaus kennengelernt“, erzählt Ahmed, 28-jähriger Elektriker aus Damaskus. „Es macht viel Spaß, mit ihm in der Werkstatt zu arbeiten!“

Wertvolles Signal

Seit Ahmed und Said aus Damaskus, Omar aus Deirezor und Murhaf aus Homs flüchten mussten, konnten sie nicht mehr in ihren erlernten Berufen arbeiten. Seit zwei Jahren lernen sie stattdessen an fünf Tagen in der Woche Deutsch. Mit hervorragendem Erfolg, wie die fließende Unterhaltung beweist. Mit seiner offenen Werkstatt hofft Lothar Hudy, den jungen Männern neben einem produktiven Zeitvertreib auch einen Vorteil beim Einstieg in eine Berufsausbildung zu verschaffen. „Ein Zertifikat über Werkstatterfahrung kann ein wertvolles Signal für einen künftigen Arbeitgeber sein.“

CalwBrassEnsemble

Bald kann es losgehen!

StadtLandKultur e.V. startet das  Projekt „CalwBrassEnsemble“ in Zusammenarbeit mit der Werkrealschule. Dabei geht es darum, Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftlich schwächeren Verhältnissen eine kreative und sinnvolle Freizeitbschäftigung anzubieten. Die TeilnehmerInnen erhalten kostenlosen Unterricht und musizieren zusammen, so trainieren sie Disziplin und lernen, dass man gemeinsam viel auf die Beine stellen kann!

Für dieses Projekt werden Spenden erbeten, die ermöglichen, den Kindern Instrumente zu stellen und die enstehenden Unkosten zu decken. Auch Instrumentenspenden (Trompeten, Waldhörner, Posaunen, Tuben und sonstige Blechblasinstrumente) sind herzlich willkommen!

Kontakt: calwbrass@stadtlandkultur.de

Spenden bitte an:

Raiffeisenbank im Kreis Calw eG, IBAN: DE 34 6066 3084 0075 1620 08, BIC: GENODES1RCW

Vielen Dank!

 

„Spektakulär, was uns hier geboten wird“

Schwarzwälder Bote; Von Bettina Bausch 01.10.2017 – 18:10 Uhr

Da staunten die Besucher des Konzertes der Veranstaltungsreihe „Jazz am Schießberg“ am Freitag nicht schlecht. Pünktlich zum zehnten Geburtstag hatte sich zum Eröffnungskonzert der Feierlichkeiten ein Aufzeichnungsteam des Südwestrundfunks (SWR) eingefunden.

Mit hochkarätiger Musik feierten die Calwer Jazzfreunde das zehnjährige Bestehen der Reihe „Jazz am Schießberg“. Foto: Bausch 

Calw. Dies vor allem auch deshalb, weil der Schlagzeuger der am Freitagabend musizierenden Formation, Christian Lillinger, den mit 15 000 Euro dotierten diesjährigen SWR-Jazzpreis erhält.

Auch an diesem Abend gab der Preisträger sein Bestes und glänzte im Spiel des Trios Dell/Lillinger/Westergaard als Ideengeber von mitreißender Dynamik. Die hochkarätige Formation brachte selten zu hörende avantgardistische Musik mit experimentellem Charakter mit den Instrumenten Vibrafon, Schlagzeug und Bass zu Gehör.

Seit nunmehr zehn Jahren gibt es in Calw die musikalische Reihe „Jazz am Schießberg“. Was einst als zartes Pflänzchen begann, hat sich inzwischen zu einer kraftvollen, gesunden Pflanze entwickelt. Am Wochenende feierten die rührigen Calwer Jazzfreunde dies mit einem Symposium und zwei hochkarätigen Konzerten.

In den vergangenen zehn Jahren haben die Calwer Musikfreunde mehr als 100 hochkarätige Jazzkonzerte mit Künstlern von Weltniveau nach Calw geholt. Urs Johnen, der heute 35-jährige Begründer der Veranstaltungsreihe, blickte im Gespräch mit unserer Zeitung zurück auf die wechselvolle Geschichte der Jazzveranstaltungen.

Gleich zu Beginn Sponsoren gefunden

Gleich zu Beginn fanden Johnen und seine Calwer Jazzfreunde einige örtliche Sponsoren und konnten sich damit gerade so finanziell über Wasser halten. Es folgten weitere Organisationsformen wie eine Schulfirma des Hermann Hesse-Gymnasiums unter der Leitung des Musiklehrers Philipp Ratz. Auch Gymnasiallehrer Werner Gann sowie Sybille und Matthias Körholz waren unverzichtbare Helfer der Aufbauphase. Vorübergehend wurde auch die Organisationsform Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) genutzt.

Seit Beginn dieses Jahres sind die renommierten Jazzveranstaltungen eingebettet in den neuen, kreisweiten Verein „StadtLandKultur“, der auch noch andere Zweige künstlerischer Arbeit betreut.

Die soziokulturelle Arbeit des noch jungen Vereins wurde gestärkt durch das ehrenamtliche Engagement vieler örtlicher Kunstfreunde. Die Veranstaltungsreihe sei auf gutem Wege, wenn auch finanziell noch nicht ganz in trockenen Tüchern, so Initiator Johnen. „Die Stadt Calw unterstützt uns mit einer kleinen Summe und durch die kostenlose Überlassung von Räumen“, hob der Kulturmanager hervor.

Jetzt hofft Johnen auf noch mehr Unterstützung durch die Stadt und den Landkreis. „Mit viel Ehrenamt und Improvisation hat es bisher immer geklappt“, resümierte Johnen. Bei dem derzeitigen Geschäftsführer der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) ist der „Jazz am Schießberg“ in besten Händen.

Feierlichkeiten mit Symposium fortgesetzt

„Wir kämpfen unter anderem für eine faire Entlohnung der Jazzmusiker“, unterstreicht der Kulturmanager. Wenn er auch derzeit im fernen Berlin lebt, hat er die hiesigen Jazzveranstaltungen doch immer fest im Blick.

Die Feierlichkeiten wurden am Samstag mit einem Symposium fortgesetzt. Die Kulturfreunde gingen vor allem der Frage nach, wie kulturelle und künstlerische Angebote zu einem friedlichen Miteinander beitragen können. Bei den Praxisworkshops – wie Malen oder Gestalten mit Kupferdraht – waren auch derzeit in der Region lebende Flüchtlinge vertreten.

Das ambitionierte Jubiläumsprogramm endete mit einem exzellenten Konzert des renommierten Pablo Held Trios, einer der lebendigsten und bedeutendsten Formationen des europäischen Jazz. Die jungen Musiker spielten unter anderem auch anspruchsvolle Eigenkompositionen des Pianisten und Komponisten Pablo Held, die die begeisterten Zuhörer völlig in ihren Bann zogen. „Es ist spektakulär, was uns hier in Calw geboten wird. Man braucht nicht wegzufahren, um beste Musik hören zu können“, freute sich Besucherin Ursula Rühle.

Startschuss für Brass-Ensemble

Von Schwarzwälder-Bote 28.09.2017 – 04:30 Uhr



„CalwBrassEnsemble“ – unter diesem klangvollen Namen sollen künftig Kinder und Jugendliche zusammen musizieren.

Der Verein StadtLandKultur möchte mit dem Projekt „CalwBrassEnsemble“ Kindern das Musizieren ermöglichen. Foto: StadtLandKultur e.V.

 

Calw. In der vergangenen Woche wurde das Projektvorhaben, dass der Verein StadtLandKultur in Kooperation mit der Werkrealschule Calw aufbaut, im Georgenäum vorgestellt. Umrahmt wurde die Präsentation von einem Blechbläserquartett.

Karin Kriese und Fausto Ruque haben Erfahrung in der soziokulturellen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftsschwachen Verhältnissen. Das Musikerehepaar nahm sich vor einigen Jahren das weltbekannte Soziokulturprojekt „El Sistema“ zum Vorbild und gründeten eine eigene Musikschule in Quito, der Hauptstadt Ecuadors.

Idee hat in Venezuela ihren Ursprung 

„›El Sistema‹ hatte in Venezuela seinen Ursprung und ist heute in ganz Südamerika und einigen Ländern Europas vertreten“, berichtete Ruque. „Für mich war es ein fundamentales Erlebnis, dass ich Teil dieser Bewegung sein durfte und wir möchten diese Erfahrung nun weitergeben.“

Vom Erfolg ihres Projekts motiviert, beschlossen Kriese und Ruque nach ihrem Umzug in den Schwarzwald, hier etwas Vergleichbares zu verwirklichen. „Musik hat einen enormen positiven enormen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, sagte Kriese zu der Idee, Kinder und Jugendlichen das Erlernen eines Blechblasinstruments zu ermöglichen. „Zielgruppe sind praktische alle Schüler, die von Haus aus keinen Zugang zur sogenannten akademischen Musik haben.“

In einem kurzen Vortrag stellte auch Markus Grottke, Professor an der SRH Hochschule Calw, die Bedeutung eines solchen Projekts hervor. „Die Musik fördert alle Kompetenzen, insbesondere das soziale Miteinander, die Disziplin und das Durchhaltevermögen. Werte, die heutzutage einer besonderen Zuwendung bedürfen, um den Heranwachsenden die Erziehung zu gewährleisten, die sie im späteren Berufsleben benötigen.“

Um das Projekt realisieren zu können, wird finanzielle Unterstützung benötigt. Auch Instrumentenspenden sind willkommen. Kontakt: calwbrass@stadtlandkultur.de; www.stadtlandkultur.de